Der vollständige Leitfaden zu den Herstellungsverfahren von Carbonfaserrohren

Carbonrohr-Fertigungstechnik: Ein umfassender Leitfaden für die Fertigungsprozesse

Die Leistungsfähigkeit eines Carbonbauteils wird nicht allein durch die Faserqualität bestimmt – das gewählte Fertigungsverfahren ist der entscheidende Hebel für die späteren mechanischen Eigenschaften. Anders als bei metallischen Werkstoffen entsteht das Gefüge des Werkstoffs erst während der Bauteilherstellung. Jeder Lagenaufbau, jeder Wickelwinkel und jedes Harzsystem beeinflusst die Steifigkeit, Festigkeit und Dämpfung des finalen Carbonrohrs. Bei WHABEST Composite Solutions sind wir auf die präzise Umsetzung dieser Stellschrauben spezialisiert. In diesem Leitfaden erläutern wir die drei wesentlichen Verfahren zur Herstellung von Carbonrohren und geben Entscheidungshilfen für Ihre nächste Konstruktion.

Das Faserwickelverfahren (Filament Winding) im Detail

Das Nass- oder Prepreg-Wickeln, im Englischen als Filament Winding bezeichnet, ist das bevorzugte Verfahren für rotationssymmetrische Bauteile mit hohen Umfangs- und Torsionslasten. Bei diesem Verfahren wird ein kontinuierliches Faserbündel, meist ein Roving der Klasse 12k oder 24k, durch ein Harzbad geführt und anschließend unter definierter Zugspannung auf einen rotierenden Dorn abgelegt. Der Wickelkopf bewegt sich dabei präzise gesteuert entlang der Dornachse.

Die besondere Stärke dieses Prozesses liegt in der Reproduzierbarkeit der Faserarchitektur. Während ein manueller Wickelversuch üblich, aber ungenau ist, arbeitet ein moderner CNC-Wickelautomat mit Ablagewinkeln, die auf das tausendstel Grad genau eingehalten werden. Wir unterscheiden grundsätzlich zwischen drei Wickelarten: der Umfangswicklung (90° zur Achse) für höchste Radialfestigkeit, der Schraubenwicklung (±45° bis ±75°) für Torsionsbelastungen und der Längswicklung (nahe 0°), welche die Biegesteifigkeit maximiert. Bei WHABEST nutzen wir häufig mehrachsige Wickelmaschinen, die einen endkonturnahen Lagenaufbau ohne Unterbrechung des Faserstrangs ermöglichen. Für Druckbehälter und rotationssymmetrische Strukturen ist das Wickelverfahren hinsichtlich der spezifischen Tragfähigkeit anderen Prozessen oft überlegen. Der Dorn, auf dem gewickelt wird, besteht häufig aus vergütetem Stahl oder Aluminium. Für Hohlprofile mit komplexen Querschnitten verwenden wir lösliche Kerne auf Sand- oder Wachsbasis, die nach der Aushärtung ausgeschmolzen werden können.

Das Rollwrapping-Verfahren

Das Rollwrapping, auch als Prepreg-Rolltechnik oder Wickelpressen bekannt, ist das Verfahren der Wahl, wenn es um komplexe Lagenaufbauten und höchste Oberflächengüten geht. Im Gegensatz zum Filament Winding wird hier mit bereits harzgetränkten, vorgeschlagenen Gelegen (Prepregs) gearbeitet. Diese Prepregs werden auf hochpräzisen NC-gesteuerten Schneidetischen zugeschnitten. Die Faserorientierung jeder einzelnen Lage kann im Zuschnitt frei definiert werden – von 0° über ±45° bis hin zu 90° und allen Zwischenwinkeln. Dies erlaubt eine exakte Anpassung des Laminats an den späteren Lastenkollektiv.

Der Prozess: Die zugeschnittenen Prepreglagen werden um einen polierten Stahldorn gewickelt. Die Qualität des Dorns bestimmt hier maßgeblich die spätere Innenkontur des Rohres. Anschließend wird das Werkstück mit einem Vakuumsack umhüllt, der überschüssige Luft und flüchtige Bestandteile aus dem Laminat entfernt. Die Aushärtung erfolgt entweder im Heißluftofen oder – bei höchsten Anforderungen an den Faservolumenanteil – im Autoklav unter Druck und Temperatur. Der Autoklav-Druck von bis zu 10 bar verdichtet das Laminat, reduziert die Porosität auf unter ein Prozent und steigert die Druckfestigkeit des Rohres signifikant. Nach der Aushärtung wird der Dorn mittels einer hydraulischen Presse aus dem Rohr ausgetrieben (Dorneinzug). Dieses Verfahren ist besonders geeignet für Rohre mit stark variierenden Wandstärken, konischen Geometrien oder integrierten Endenanschlüssen. Ein wichtiger Aspekt ist die Maßhaltigkeit: Mit Rollwrapping erreichen wir Toleranzen im IT7 bis IT8 Bereich, teilweise sogar IT6. Für Anwendungen wie Präzisionswellen, hochbelastete Gestänge oder Sportgeräte ist dies die bevorzugte Technologie. Wir bei WHABEST setzen auf dieses Verfahren, wenn es auf eine nahezu porenfreie Oberfläche und berechenbare, gleichbleibende Materialeigenschaften in der Serie ankommt.

Pultrusion für Endlosprofile

Für die wirtschaftliche Fertigung großer Stückzahlen von Profilen mit konstantem Querschnitt ist die Pultrusion das Maß der Dinge. Dieses vollautomatisierte Verfahren arbeitet kontinuierlich. Die Endlosfasern, meist unidirektionale Rovings und oberflächliche Gelege oder Gewebe, werden von Spulenkäfigen abgezogen, in einem Harzbad (offenes Bad oder Injektion) imprägniert und anschließend durch eine beheizte Formdüse gezogen. In dieser Düse erfolgt die Aushärtung des Harzsystems. Das ausgehärtete Profil wird am Ende der Anlage auf Länge gesägt oder aufgewickelt.

Die besondere Herausforderung der Pultrusion liegt in der Beherrschung der Aushärtekinetik und der Reibungskräfte in der Düse. Ein stabiler Prozess erfordert eine genaue Kenntnis der Harzchemie und der Ziehgeschwindigkeit. Pultrudierte Profile zeichnen sich durch einen extrem hohen Faservolumenanteil von bis zu 75 Prozent aus. Die unidirektionale Steifigkeit und Festigkeit ist herausragend. Durch den Einsatz von geflochtenen Faserschläuchen oder multidirektionalen Gelegen als äußere Verstärkung können auch Torsions- und Querkräfte in begrenztem Maße aufgenommen werden. Typische Anwendungen sind Strukturprofile für den Apparatebau, Träger für Leichtbaukonstruktionen, Dorne für die Textilindustrie oder Rotorblatthalter. Die Grenzen des Verfahrens liegen in der Geometrieabhängigkeit – es sind ausschließlich prismatische, sich nicht verjüngende Profile herstellbar. Die Oberflächengüte ist für Strukturprofile gut, erreicht jedoch nicht das Niveau eines im Autoklav gehärteten Rollwrapping-Teils. Dennoch ist die Pultrusion für viele technische Anwendungen die erste Wahl, wenn es um ein optimales Verhältnis von mechanischer Leistung zu Bauteilkosten geht.

Wichtige Faktoren bei der Auswahl von Carbonrohren

Die Wahl des Herstellungsverfahrens für Ihr Carbonrohr sollte nicht auf Basis von Bauchgefühl getroffen werden. Entscheidend ist die detaillierte Analyse des Lastenhefts. Wir prüfen mit unseren Kunden stets folgende Schwerpunkte:

Das Lastprofil: Wirkt eine hohe Querkraft oder Torsion? Dann ist ein ±45° Anteil im Laminat unerlässlich. Rollwrapping ist hier meist im Vorteil, da es einfacher multi-direktionale Lagen kombiniert. Ist die reine Längssteifigkeit gefragt, spricht vieles für ein pultrudiertes Profil oder ein gewickeltes Rohr mit hohem 0°-Anteil.

Die Geometrie: Ein sich verjüngendes Rohr oder ein Rohr mit variablem Innendurchmesser kann nur im Wickelverfahren oder durch Rollwrapping hergestellt werden. Die Pultrusion scheidet hier aus.

Die Toleranzanforderung: Benötigen Sie eine Welle, die spielfrei in einem Kugellager läuft? Das Rollwrapping mit kalibriertem Dorn und präzisem Wickelaufbau ist hier alternativlos. Für eine reine Strukturstrebe ohne Spielanforderungen kann das Wickelverfahren ausreichen.

Das Losgröße und Kosten: Für Prototypen und Kleinserien bis zu einigen Hundert Stück ist Rollwrapping sehr flexibel. Beginnt die Stückzahl in den Tausendern, ist die Pultrusion wirtschaftlich nicht zu schlagen. Das Wickelverfahren liegt hier in der Mitte – es amortisiert sich durch hohe Automatisierung und kurze Zykluszeiten ab mittleren Losgrößen.

Warum die Materialauswahl entscheidend ist

Neben der Prozesstechnik entscheidet die Materialwahl über den Erfolg Ihres Projekts. Die Carbonfaser ist nicht gleich der Carbonfaser. Wir unterscheiden in verschiedene Steifigkeits- und Festigkeitsklassen. Standard-Modul-Fasern (SM) mit einem E-Modul um 230 GPa sind der Allrounder für die meisten Konstruktionen. Intermediate-Modul-Fasern (IM) mit >280 GPa steigern die Steifigkeit signifikant. High-Modul-Fasern (HM) mit bis zu 400 GPa und mehr sind extrem steif, aber auch spröder und in der Verarbeitung anspruchsvoller.

Das Harzsystem trägt entscheidend zur Temperaturbeständigkeit und Schlagzähigkeit bei. Standard-Epoxidharze sind für Temperaturen bis 120 °C geeignet. Für höhere Anforderungen setzen wir auf temperaturbeständige Systeme auf Basis von Phenolen, BMI (Bismaleinimid) oder Cyanatestern. Diese Systeme erlauben Dauereinsatztemperaturen jenseits der 250 °C. Die Zähigkeit des Harzes ist entscheidend bei schlagartigen Belastungen, wo spröde Harze versagen können. Bei WHABEST vertrauen wir auf geprüfte Prepreg-Qualitäten von Hexcel, Toray und Mitsubishi, die eine gleichbleibende Aushärtecharakteristik und konstante mechanische Werte bieten.

Die Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Hersteller

Ein Carbonrohr ist ein Konstruktionsbauteil, das für den jeweiligen Anwendungsfall ausgelegt sein muss. Ein erfahrener Fertigungspartner wie WHABEST Composite Solutions bringt sich daher frühzeitig in den Entwicklungsprozess ein. Wir erstellen gemeinsam mit Ihnen die Lastenhefte, führen FEM-Simulationen durch und optimieren den Lagenaufbau auf das gewünschte Eigenschaftsprofil. Es gilt, fertigungsbedingte Hürden wie Kernauszugswinkel, Dornpositionierung oder Lagenversatz frühzeitig zu erkennen. Wir realisieren sowohl kundenspezifische Sonderanfertigungen als auch standardisierte Bauteile aus unserer Fertigungstiefe vom Zuschnitt über die Formgebung bis zur Endbearbeitung und Klebung. Unsere Stärke ist es, auch anspruchsvolle Toleranzvorgaben von 0,02 mm auf der Außendurchmesserfläche wirtschaftlich im Prozess abzubilden.

Fertigungsqualität und Zertifizierung

Die Qualitätssicherung bei der Herstellung von Carbonrohren ist komplex. Sie beginnt bei der Wareneingangsprüfung der Prepregs und endet mit der zerstörungsfreien Prüfung des fertigen Bauteils. Unser Qualitätsmanagement bei WHABEST ist nach DIN EN ISO 9001:2015 zertifiziert. Wir garantieren die Rückverfolgbarkeit jedes Bauteils bis zur Harzcharge und Fasertasche. Die Aushärteprozesse werden durch Temperaturfühlersensoren in der Presse oder im Autoklav überwacht. Für sicherheitsrelevante Komponenten führen wir Ultraschallprüfungen und, falls erforderlich, Röntgenuntersuchungen durch. Die Prüfung der mechanischen Kennwerte erfolgt an begleitenden Probekörpern oder direkt am Bauteil. Wir dokumentieren den gesamten Prozess und stellen auf Wunsch ein umfassendes Prüfzeugnis nach DIN EN 10204 aus.

Jetzt mit WHABEST Composite Solutions durchstarten

Sie suchen einen verlässlichen Partner für die Fertigung Ihrer Carbonrohre? Ob Filament Winding, Rollwrapping oder Pultrusion – die Ingenieure von WHABEST Composite Solutions beraten Sie individuell und finden das optimale Verfahren für Ihre Anforderungen. Entscheiden Sie sich für hochwertige Faserverbundlösungen aus Deutschland. Kontaktieren Sie uns noch heute und legen Sie den Grundstein für Ihr nächstes erfolgreiches Leichtbauprojekt.

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